Schottland

Ein Tag im April. Heute ist unser Abflug mit Ziel Inverness, Schottland. Endlich. Lange haben wir geplant und uns noch länger gefreut. Der Start in den Urlaub begann mit einer Flughafen-Totalsperrung sowie mit einem – sagen wir gutmütig – überaus holprigen Boarding. Aber letztlich saßen wir im Flieger zum Zwischenstopp Londron, Heathrow mit ordentlicher Verspätung.

Als wir in Heathrow landeten und unser Abfluggate aufsuchten, mussten wir mehrere Stationen passieren und wurden letztlich gestoppt. Wir wäre zu spät für unseren Weiterflug nach Inverness, Schottland und sollten bitte den Schalter der Airline aufsuchen. Gesagt getan und schon standen wir vor diesem. Nur der Mensch dahinter war leicht überfordert. Glücklicherweise hörte eine Kollegin zu die kurzerhand zu uns sagte, wir mögen ihr bitte folgen. Der Flieger nach Inverness hat Verspätung und wir würden diesen noch schaffen. Und so lotste sie uns durch, bis wir an der Sicherheitskontrolle standen. Perfekt kamen wir genau zum Boarding an unserem Gate an. Ab in den Flieger, Inverness wir kommen!

Wir landeten im strömenden Regen, was zu diesem Tag einfach passte. Ab ins Taxi und schon waren wir im Hotel. Wir hatten uns dazu entschieden, nicht direkt am Abend weiterzufahren, sondern erst mal anzukommen. Der Tag darauf startete erst einmal mit einem guten englischen Frühstück. Anschließend packten wir unsere nicht ausgepackten sieben Sachen und zogen los, um unseren Mietwagen abzuholen. Das erste Mal Rechtslenker und Linksverkehr. Wir lächelten uns an und erinnerten uns gegenseitig daran an die Kreisverkehre zu denken und seitenverkehrt zu gucken. Noch schnell das Gepäck in den Neu- und Kleinwagen eingeladen, stiegen wir ein. Zu unserer freudigen Überraschung hatte das Auto Apple Car Play. So hatten wir die ganze Zeit neben unserer Straßenkarten ein Navi an Board. Äußerst praktisch. Universum, vielen Dank.

Wir verließen mit unserem kleinen weißen Flitzer Inverness mit seinen mehrspurigen Kreisverkehren und machten uns auf, Richtung Ullapool. Die Straßen wurden während der Fahrt immer kleiner und von Verkehr konnte irgendwann nicht mehr gesprochen werden. Wir waren nahezu allein unterwegs.

In Ullapool angekommen, begaben wir uns direkt zu unserer heutigen Unterkunft. Eine kleine Pension und von einer sehr sympathischen Frau geführt. Sie gab uns noch den ein oder anderen Tipp bezüglich Essen mit auf den Weg. Und so machten wir uns auf zu einem kleinen Erkundungsspaziergang und schauten uns Ullapool sowie den Fährhafen – unser morgiges Ziel – an. Weiter ging es den Strand entlang. Auf dem Rückweg gab es die ersten Fish & Chips. Wir ließen den Tag in Ruhe ausklingen.

Am nächsten Tag suchten wir ein kleines Café zum Frühstücken auf, welches wir bereits am Vortag entdeckt hatten. Danach ging es weiter zur Fähre, wo bereits viele Autos standen. Uns wurde empfohlen die Fähren frühzeitig zu buchen und nun waren darüber auch nicht unglücklich. Wir wurden direkt durchgewunken und dann ging es ab in den Bauch der Fähre. Das letzte Mal, dass wir auf einer Fähre waren ging es Richtung Norwegen. Also diese Fähre hier war um ein Vielfaches kleiner. 🙂 Während ich es mir gemütlich machte, zog es Katja auf’s Deck, um Fotos zu machen. So vergingen einige Stunden bis wir den Fährhafen Stornoway erreichten. Also wieder runter von der Fähre und wichtig, erst einmal Lebensmittel einkaufen. Denn an unserem eigentlichen Ziel für die nächste Woche gab es zwar einen kleinen local store, aber keinen Supermarkt. Als das Auto nun komplett voll beladen war, ging es weiter Richtung Aird Uig. Hier begegneten uns zum ersten Mal die single road tracks. Und wir mussten feststellen, es funktioniert tadellos und das Fahren war überaus entspannend – zumindest auf dieser Insel.

Während der Fahrt sahen wir weite Landschafen, kleine Siedlungen und natürlich Schafe. Es war auch gerade Lämmerzeit. Die kleinen liefen im Wettstreit nebeneinander her und es machte Spaß einfach nur zuzusehen.

Nach ein paar Stunden kamen wir an unserem Ziel an. Unsere erste Unterkunft, wo wir nun tatsächlich auch mal unsere Sachen auspacken konnten. Also ab ins Haus und dort freuten wir uns, dass uns ein brennender Ofen willkommen hieß. Zu der Zeit war es sehr (!) windig in Aird Uig und wir waren froh, dass wir Mützen sowie Handschuhen dabeihatten. Auch wenn sich das im weiteren Verlauf des Urlaubs noch komplett ändern sollte.

Während wir gerade am „Einrichten“ waren klopfte es an der Tür und Sarah, unsere Vermieterin, kam herein. Auch hier wurden wir wieder sehr herzlich willkommen geheißen, während sie uns in die Geheimnisse des Longhouse sowie des Ofens „Billy“ einweihte. Kurz darauf gingen wir auf unsere Terrasse von der wir einen direkten Blick auf’s Meer hatten. Anschließend machten wir uns noch auf zu einem Erkundungsspaziergang und genossen es, endlich angekommen zu sein.

Auf einer unserer Tagestouren kamen wir auf die Idee, dass wir unseren kleinen weißen Flitzer einen Namen geben müssten. KLeiner weißer Flitzer ging etwas schwer auf Dauer über die Zunge und sogar der Ofen in Sarahs Longhouse hatte einen Namen! Wir überlegten nicht lange und tauften ihn auf den Namen: Tony!

Auch in dem Urlaub verfassten einige Postkarten. Wir hatten schon einige Male die roten Briefkästen der Royal Mail unterwegs gesehen. Auf einigen klebte der Hinweis „Do not use. Bird nesting“.

Was bei Planung sowie Buchung nicht absehbar war, dass genau in die Zeit unseres Urlaubs die Krönung von Prinz Charles zum neuen König fallen würde. So sah man in den Supermärkten oder lokalen Läden die ein oder andere Dekoration mit kleinen UK-Flaggen. Einige der Einwohner hatten auch die schottische Flagge gehisst. Ansonsten bekam man von der Krönung gar nichts mit.

Als wir Aird Uig verliesen, um uns auf zu unserer zweiten Station Skye zu machen, nahmen wir erneut eine Fähre. Wir hatten noch etwas Zeit, bis die Fähre eintraf und so gingen wir noch eine kleine Runde im Ort. Wir kamen an einem Food-Truck vorbei bei dem wir uns direkt etwas bestellten. Tatsächlich machten wir die Erfahrung, dass die Food-Trucks hier tatsächlich sehr gutes Essen anboten, zwar zu entsprechenden Preisen, aber sehr gut. Wir gingen noch durch eine kleine lokale Ausstellung bevor es zurück zum Fährhafen-Parkplatz ging. Die Fähre traf gerade ein und alle machten sich langsam zum Boarden fertig, als auf einmal Dudelsack-Musik erklang. Das erste und einzige Mal in diesem Urlaub. Wir lauschten noch etwas den Klängen bis wir an der Reihe waren und fuhren auf die kleine Fähre. Wieder einmal machten wir es uns bequem, wobei die Überfahrt dieses Mal deutlich kürzer war. Während im fernen London die Krönungszeremonie stattfand, lief auf der Fähre die gesamte Zeit der Fernseher. Mit einer US-Gerichtssendung aus den 90ern. Aha. 🙂

Einige Zeit später legte die Fähre in Uig – nicht zu verwechseln mit Aird Uig – auf Skye an. Auf ging es zu unserer nächsten Unterkunft, einem kleinen Cottage. Während der Fahrt merkten wir, dass es hier deutlich wärmer und überhaupt gar nicht windig war. Ab Skype waren wir – bis auf die Abende – in kurzer Kleidung unterwegs. Was wir ebenfalls bemerkten, dass es nie regnete. Klar gab es mal einen Tag zwischendurch, wo der Himmel nicht so blau war, wie an den anderen. Aber von einem regnerischen Tag konnte man bis auf den Ankunftstag in Inverness nicht sprechen. Warum hatten wir noch mal Regenstiefel mitgenommen?

Wir richteten uns abermals ein und erkundeten erst einmal das kleine Cottage. Für Warmwasser musste man daran denken, die Heizung vorab einzuschalten, sonst würde man unter der kalten Dusche erst mal richtig wach werden. Ansonsten war aber alles soweit da.

Auf Skye viel deutlich auf, dass das die Touristenhochburg ist. Wir hatten im Vorfeld überlegt, ob wir Skye lieber weglassen, aber nun waren wir hier. Wir bewunderten die Geduld der Einheimischen, wenn wieder einmal der Verkehr – ja, hier war definitiv Verkehr – ins Stocken geriet. Oder die Touristen sich nicht an die Regeln der single road track hielten. Auch bemerkten wir, dass die Straßenverhältnisse hier abseits der großen Straßen sich in einem sehr schlechten Zustand befanden. So schlecht, dass am Straßenrand der ein oder andere Mietwagen mit einem Platten oder herabgefallenem Auspuff stand und auf die Pannenhilfe wartete. Hier war die Geschwindigkeit deutlich den Straßenverhältnissen anzupassen und wenn jemand meinte schneller sein zu müssen, dann fuhren wir eben ran und ließen die Person überholen. Wir waren im Urlaub. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir auf Skye auch sehr viele Touristen sahen, die nur kurz aus ihren Autos ausstiegen oder aus dem offenen Autofenster ein oder zwei Fotos machten und direkt weiterfuhren. Möglichst viele Fotos mit wackeliger Hand, als tatsächlich etwas zu entdecken.

An einem Tag, es war wieder einmal sehr heiß machten wir uns auf in die Stadt Portree. Dort suchten wir die nächstgelegene Eisdiele auf und stellten fest, dass wir so viele Menschen gar nicht mehr gewohnt waren.

Natürlich wollten wir auch einmal in einem richtigen Pub essen. Auch bezüglich Essen gehen hatte uns jede:r empfohlen rechtzeitig vorab zu reservieren. Da wir nun aber nicht vor Ankunft genau wussten, an welchem Tag wir wo in einem Pub gehen wollen, hatten wir dies nicht getan. Nun, es war tatsächlich nicht so einfach. Aber letztlich fanden wir einen Pub bei dem wir für den gleichen Abend noch einen Platz für uns zwei ergattern konnten.

Auch diese Woche näherte sich dem Ende, worüber wir aufgrund der zahlreichen Touristen nicht ganz unglücklich waren, auch wenn wir natürlich auch hier tolle Augenblicke hatten. Also wieder alles rein ins Auto und los ging es Richtung Skye Bridge, die Skype mit dem schottischen Festland verbindet. Heute war eine lange Autofahrt Richtung Lochinver angesagt. Auf dem Weg dorthin passierten wir auch noch einmal Ullapool, was wir direkt zum Aufstocken unserer Vorräte nutzten.

Je näher wir Lochinver kamen desto schmaler und kleiner wurden die Straßen. Oft waren es wieder single road tracks, hier allerdings gespickt mit steilen Abhängen oder Felswänden. Letzteres war immer spannend, wenn ein WoMo den Weg kreuzte oder auch generell dann, wenn die Leute sich nicht trauten ganz links zu fahren.

Unsere Unterkunft befand sich etwas außerhalb von Lochinver direkt an der Küste. In wenigen Gehminuten hatten wir einen herrlichen Blick auf das Meer.